ÖPNV-Streiks: ver.di streikt gegen die Falschen

Streik.
Über mehr Geld in der Tasche entscheidet heute weniger der Arbeitgeber als der Staat – Zeit für eine neue Allianz von Beschäftigten und Mittelstand.

Wenn ver.di den öffentlichen Nahverkehr bestreikt, trifft es vor allem die Falschen:

Pendler, Familien, Pflegekräfte, Studierende – und den Mittelstand, dessen Mitarbeitende oft gar nicht erst zur Arbeit kommen.

Dass Beschäftigte im öffentlichen Dienst bessere Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung wollen, ist völlig berechtigt. Die eigentliche Frage lautet aber:

Streikt ihr wirklich gegen die Richtigen – oder nur an der falschen Adresse?

Denn über das Portemonnaie der Beschäftigten entscheidet heute viel weniger der Arbeitgeber und viel stärker der Staat.


Das Brutto zahlt der Arbeitgeber. Das Minus dazwischen kassiert der Staat.

Bei jeder Tarifrunde dreht sich alles um „mehr Prozent“. Doch von den Lohnerhöhungen bleibt am Ende oft erstaunlich wenig übrig.

Der einfache Grund:

  • Das Brutto zahlt der Arbeitgeber.
  • Das Minus dazwischen kassiert der Staat – über Steuern und Sozialabgaben.
  • Was an Netto übrig bleibt, reicht vielen trotz Vollzeit kaum für Miete, Mobilität und Lebenshaltung.

Wer also nur auf „mehr Brutto“ setzt, kämpft auf halber Strecke.

Die entscheidende Stellschraube für spürbar mehr Geld im Alltag liegt bei Steuern, Abgaben und Belastungen, nicht nur beim Tarifpartner.


Die Leidtragenden: Beschäftigte, Pendler, Mittelstand

Wenn Busse und Bahnen stillstehen, trifft das nicht „die da oben“, sondern:

  • Beschäftigte im Schichtdienst,
  • Familien ohne Auto,
  • Azubis, Studierende und Geringverdienende,
  • kleine und mittlere Unternehmen, deren Team schlicht nicht zur Arbeit kommt,
  • Selbständige, die Termine absagen müssen.

Gerade der Mittelstand spürt das doppelt – als Arbeitgeber und als Pendler.

Das Paradoxe daran:

Beschäftigte im ÖPNV und Mittelstand haben dieselben Probleme – hohe Belastung auf Arbeit, steigende Kosten, immer mehr Bürokratie.


Mehr Netto vom Brutto: Der eigentliche Hebel

Was viele Beschäftigte wirklich wollen, ist nicht nur „x Prozent mehr Brutto“, sondern:

  • dass sich Mehrarbeit und Verantwortung lohnen,
  • dass nach Steuern und Abgaben genug übrig bleibt,
  • dass steigende Lebenshaltungskosten nicht jede Lohnerhöhung auffressen.

Genau deshalb gehört das Thema „Mehr Netto vom Brutto“ in den Mittelpunkt – und damit auf die politische Bühne:

  • Entlastung bei Steuern und Sozialabgaben
  • weniger Abgaben auf Energie und Mobilität
  • spürbarer Abbau von Bürokratiekosten, die Systeme verteuern

Hier liegt der Hebel, den kein einzelner Verkehrsbetrieb ziehen kann – aber die Bundesregierung sehr wohl.


Zeit für eine neue Allianz

Statt sich im ÖPNV-Streik gegenseitig das Leben schwer zu machen, brauchen wir eine neue Konstellation:

Beschäftigte + Mittelstand = gemeinsame Stimme für faire Rahmenbedingungen.

Gewerkschaften bringen die Kraft ihrer Mitglieder ein.

Der Mittelstand bringt Millionen Arbeitsplätze ein.

Gemeinsam könnten sie deutlich mehr erreichen als mit immer neuen Streiks, die ausgerechnet diejenigen treffen, die ohnehin schon kämpfen.


Mehr dazu im Blogbeitrag

Generalsekretär Andreas Keck hat diese Gedanken in seinem persönlichen Blog vertieft:

Warum ver.di an der falschen Front streikt, weshalb der Staat der eigentliche „Tarifpartner“ für mehr Netto ist – und wieso Mittelstand und Beschäftigte künftig viel stärker gemeinsam auftreten sollten.

👉 Den vollständigen Beitrag lesen Sie hier:

„Falscher Fahrplan, liebe ver.di: Warum der Staat euer eigentlicher Tarifpartner ist“

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